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Rheinkamp-Repelen |
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Salz - Rohstoff und Endprodukt zugleich
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"Herr
Ober, Salz bitte!" Wer hätte im Restaurant
einen solchen Ruf nicht schon gehört oder
selbst den Wunsch ausgesprochen, wenn diese
selbstverständliche Beigabe etwa morgens zum
Frühstücksei zufällig einmal fehlte.
Andererseits kann uns die Suppe auch sehr
schnell versalzen werden. Die Feststellung,
der Koch sei mal wieder verliebt gewesen, kann
dann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das
Essen nicht mehr schmeckt. Der Mensch benötigt
zum Leben ein paar Gramm Salz pro Tag. Er
beweist selten soviel Sinn für das richtige
Maß wie bei der Verwendung dieses Produktes.
Und weil es auf der Erde noch große
Salzvorräte gibt, ist die Versorgung der
Bevölkerung mit Salz kein Problem. Früher, und
zwar schon zu den ältesten Zeiten, gab es bei
Salz noch ein Transportproblem. Es musste oft
über Hunderte von Kilometern herangeschafft
werden. Salz gehört zu den ältesten
Handelsgütern der Menschheit überhaupt. Die
Wege, auf denen in frühgeschichtlicher
Zeit die Salzkarawanen ihre wertvolle Fracht
transportierten, werden heute noch als
Salzstraßen bezeichnet. Gewaltige Mengen Salz
finden sich in gelöstem Zustand im Wasser der
Weltmeere. Ein Liter Meerwasser enthält
durchschnittlich fast 30 Gramm salz. In
manchen Binnenmeeren ist der Salzgehalt noch
wesentlich größer. Besonders hoch ist er
bekanntlich im Toten Meer, wo ein Liter Wasser
75 Gramm Salz enthält.
Kocht man salzhaltiges Wasser, so verdampft
nur das Wasser, das Salz bleibt zurück,
reichert sich in der Flüssigkeit mehr und mehr
an und beginnt schließlich
auszukristallisieren. Der gleiche Vorgang
vollzieht sich, allerdings wesentlich
langsamer, wenn Wasser durch intensive
Sonneneinstrahlung verdunstet. In manchen
Gegenden, die ein entsprechend warmes und
trockenes Klima aufweisen, wird in flachen
Becken nahe der Küste auf diese Weise aus
Meerwasser salz gewonnen. übrigens hat die
Natur vor Millionen von Jahren, also lange
bevor es Menschen auf der Erde gab, ebenfalls
nach diesem Prinzip Salz erzeugt. Wir finden
es heute in den Salzlagerstätten an vielen
Stellen der Erde, und die Geologen nennen es
Steinsalz. Das Steinsalzlager am unteren
Niederrhein reicht etwa bis an die Linie
Kalkar-Rheinberg-Hünxe-Bocholt, seine
Begrenzung nach Norden ist nicht genau
bekannt. Hier liegt ein gigantischer
Salzblock, der eine Mächtigkeit bis zu 200
Meter aufweist. Man mußte allerdings 550 Meter
tief in die Erde eindringen, bis man auf die
oberste Salzschicht traf.
Dieses bedeutende Steinsalzvorkommen wurde
Ende des vorigen Jahrhunderts zufällig
entdeckt, als man in dieser Gegend nach Kohle
bohrte. Da Solvay für sein Verfahren zur
Sodaherstellung Salz als Rohstoff benötigte,
war es naheliegend, die Abbaurechte zu
erwerben. 1906 begann man in Borth mit dem
Abteufen der Schächte, es sollte aber noch
lange dauern, bis hier Salz gefördert werden
konnte. Die Arbeiten gestalteten sich deshalb
so schwierig, weil es immer wieder zu
Wassereinbrüchen kam. Für solche Verhältnisse
mussten erst die geeigneten Techniken
entwickelt werden. So wird erstmals das
Gefrierverfahren bis zu einer Teufe von 500
Metern angewendet, um mit diesen
Schwierigkeiten fertig zu werden und den
Schacht erfolgreich hinunterzubringen. Heute
ist Borth das größte Steinsalzbergwerk
Europas, wahrscheinlich sogar das größte der
Welt. Der Abbau des Salzes erfolgt nur im
unteren Bereich der Salzschicht in einer Tiefe
von 850 bis 900 Metern, die ein besonders
reines Salz enthält. |

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Der Abbau des Salzes erfolgt im sog. "Firsten-Kammer-Bau".
Die Kammern werden zwischen zwei vorher
ausgebauten Hauptstrecken, die in einem
Abstand von 400 rn verlaufen, angelegt-
Zunächst arbeitet eine Vortriebsmaschine einen
Verbindungstunnel mit einem Querschnitt von 10
qm heraus. Durch Sprengarbeit wird die Kammer
dann stufenweise auf eine Breite von 20 rn und
auf eine Höhe von 5 m gebracht. Mit Hilfe von
Raupenfahrzeugen, den sogenannten "Bohrwagen"
bohrt man in das Minera1 16 m tiefe Löcher,
die anschließend mit Sprengstoff verfüllt
werden. Am Ende jeder Schicht wird die
Sprengung ausgelöst. Das abgesprengte Salz
wird in den ersten Phasen des Abbaus mit
Frontschaufelladern ausgeräumt, deren
Schaufeln 6,5 t Salz fassen.
Der weitere Abbau erfolgt durch eine
Erweiterung der Kammer nach oben bis zu einer
Höhe von 17 m; dabei wird die Hauptmenge des
Salzes gewonnen. Die Bohrlöcher werden unter
einem Winkel von 40 Grad in die First
eingebracht, so dass Lage für Lage abgesprengt
werden kann und eine große Salzhalde in der
Kammer zurückbleibt. Schließlich wird die
Decke durch Sprengungen aus waagerechten
Bohrungen geglättet und zum Schutz gegen "lose
Schalen" durch Spreizhülsanker gesichert. In
dieser Abbauphase wird das Haufwerk durch
moderne Bagger in fahrbare Brecheranlagen
gefüllt, durch die es vorzerkleinert auf die
etwa 10 km lange Bandstraße gelangt und zum
Schacht transportiert wird. |

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Die leere Kammer, die eine endgültige Höhe von
18 m erreicht, braucht nicht verfüllt zu
werden. Die nächste Kammer wird so angelegt,
dass zwischen beiden ein Sicherheitspfeiler
von 45 m Breite stehen bleibt.
Das gewonnene Salz wird durch eine
Gefäßförderanlage zu Tage gebracht. Unter Tage
finden sich in Schachtnähe Bunker mit einem:
Fassungsvermögen von 15.000 t. Sie nehmen das
Salz von der Bandstraße auf und von hier aus
werden die 20 t fassenden Gefäße im Schacht
beschickt. Die Tagesförderung liegt bei 12.000
t.
Da der Bedarf in Stoßzeiten oftmals höher
liegt, und in anderen Zeiten die
Förderkapazität nicht voll ausgelastet wird,
wurde 1971 eine Lagerhalle für 80.000 t Salz
gebaut, in der Reserven für Nachfragespitzen
eingelagert werden können.
Aufgrund seiner außergewöhnlichen Reinheit
kann das Salz für die meisten Zwecke ohne
weiteres verwendet werden. Es wird gemahlen,
gesiebt, gesichtet und, soweit es nicht lose
zum Versand kommt, abgesackt bzw. in einer
elektronisch gesteuerten Paketieranlage
automatisch verpackt. Für Großabnehmer wird
das Salz in loser Schüttung auf
Lastkraftwagen, Eisenbahnwagen und Schiffe
verladen. Für besonders hohe
Reinheitsanforderungen wird in Borth ein
Salinensalz hergestellt. Dazu wird das Rohsalz
bei hohen Temperaturen gelöst und durch
geringe Abkühlung teilweise wieder
ausgeschieden. Das rekristallisierte Salz
erreicht eine Reinheit von 99,99 Prozent. Wo
bleiben nun diese riesigen Salzmengen? Als
Speisesalz können sie doch wohl unmöglich
verbraucht werden. Selbst wenn jeder Bürger
der Bundesrepublik 20 Gramm Borther Salz
täglich verzehren würde, so wäre das erst ein
Zehntel der Tagesförderung. Tatsächlich werden
nur 2 Prozent als Speisesalz verbraucht. Aber
wir streuen das Salz ja nicht nur
milligrammweise auf unser Frühstücksei. Ein
guter Teil geht z. B. als Streusalz im Winter
auf unsere Straßen, um sie im Dienste der
Verkehrssicherheit schnee- und eisfrei zu
machen. Die weitaus größte Menge des Salzes
geht jedoch in die Industrie, vor allem in die
Chemische Industrie, die Steinsalz als
Rohstoff benötigt.
Für die chemischen Betriebe in Rheinberg wird
das Salz durch Aussolen gewonnen. Die Sole
wird mit Hilfe starker Pumpen durch
Rohrleitungen zutage und zu den Anlagen in
Rheinberg gefördert. Diese Sole enthält je
Liter 320 Gramm Salz.
Das Aussolen kann auch von der Erdoberfläche
aus durchgeführt werden, ohne dass ein Schacht
gebaut wird, und ohne dass Menschen in die
Salzschicht hinunterfahren müssen. Dazu werden
Einzelbohrungen bis in die Salzschicht
niedergebracht, in die Süßwasser eingeleitet
wird. Das gelöste Salz wird als Sole
abgepumpt. Die Salzgewinnungs- Gesellschaft
Westfalen mbH, eine Be teiligungsgesellschaft
der Deutschen Solvay-Werke, beginnt 1972 im
Kreis Ahaus mit der Salz gewinnung nach diesem
Verfahren. Die dort gewonnene Sole wird durch
die inzwischen fertig- gestellte Solepipeline
nach Rheinberg fließen.
Salz bedeutet aber nicht nur für jeden
einzelnen ein unentbehrliches Genussmittel,
sondern stellte von jeher auch für den Fiskus
eine nicht zu übersehende Einnahmequelle dar.
Alle Staaten haben über die verschiedensten
Formen, wie Salzregal und Monopol oder
Salzsteuer den finanziellen Gewinn genutzt. In
Preußen wurde die Salzsteuer von 1719 bis 1816
mit der Salzkonskription ( = Ausschreibung)
verbunden, d. h. es wurde jeder Haushalt
genötigt, wenigstens eine bestimmte, nach der
Mitgliederzahl bemessene Menge von den
staatlichen Abgabestellen zu kaufen und zwar
mit dem Verbot des Wiederverkaufs. Der
jährliche Salzkauf wurde vom Seller (=
Verkäufer) in einem "Saltz-Buch" vermerkt. |

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In den Hofakten des Merbishofes in Neukirchen
ist uns ein solches Buch erhalten, in dem für
die Jahre 1772 bis 1784 die jährlichen
Kaufeintragungen für Mensch und Vieh
verzeichnet sind.
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