Gastronomie
KneipeDie Gastronomie der Stadt Moers war über weite Strecken des 19. Jahrhunderts von einer Vielzahl kleiner Schenkwirtschaften und wenigen Gast- häusern und "Krügen" geprägt. In den Schenken, deren Zahl für 1840 mit 28, für 1850 mit 16 ange- geben wird, wurde teilweise von den Wirten selbst gebrautes Bier und selbst gebrannter Schnaps ausgeschenkt. Die Gastwirtschaften boten warme Mahlzeiten und die Gelegenheit zum Übernachten an, eingeschlossen die Versorgung von Pferden.
Von den wenigen -drei bis fünf- Gasthöfen der Zeit um 1850 genügte allein die am Kirchtor gelegene Wirtschaft des Heinrich Rating (später: Geerkens) den Ansprüchen der 1. Klasse der Reisenden. Von diesem Gasthof hat sich eine Preisliste von 1851 erhalten, die eine große Auswahl an Weinen aufweist. Außer zahlreichen Rhein- und Moselweinen hatte Rating auch Bordeaux im Angebot, für den der zahlungskräftige Gast bis zu 2 Taler pro Flasche ausgeben musste.

Da Moers weder über nennenswerten eigenen Handel noch über bedeutende Warenproduktion verfügte und auch als Durchgangsstation nicht von Bedeutung war, kann die bescheidene Bilanz nicht überraschen. Erst der Aufschwung des letzten Jahrhundertdrittels, durch erste Eisenbahnanbindungen seit den 1880er Jahren gefördert, half auch dem "Fremdenverkehr" etwas auf die Beine. Als gemütliches Städtchen im Grünen ist Moers von den Bewohnern des westlichen Ruhrreviers und des nahen Krefeld wahrgenommen worden. Von vielen hundert Tagesbesuchern aus Krefeld, Duisburg und Ruhrort berichtet der "Grafschafter" für den Juli 1887, die für ein außerordentlich bewegtes Treiben sorgten und die Gartenanlagen bevölkerten. Unter den Gaststätten waren der Kaisersaal und das Gartenrestaurant des Hotels Geerkens besonders frequentiert. Ein Spaziergang auf dem Promenadenweg rund um die Stadt gehörte für die Besucher selbstverständlich dazu. Damit dieser Grüngürtel seine Attraktivität nicht verlor, wachte der bereits 1855 gegründete Verschönerungsverein über die Pflege und Reinhaltung dieses mittlerweile auch wirtschaftlich bedeutsamen Gutes. Jetzt nahm allmählich auch der Hotelbetrieb zu, was sich in einem steigenden Angebot an Übernachtungsgelegenheiten niederschlug.

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