Marktwesen
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts öffneten zunehmend Geschäftslokale für den täglichen Einkauf. Bereits für 1830 lässt ein Geschäftsbuch eines solchen Kolonialwarenladens erkennen, wie weit dieses Moerser Geschäft auf die ländliche Umgebung ausstrahlte. Dennoch blieben die Märkte zur Versorgung der Bevölkerung, vor allem mit Lebensmitteln, von großer Bedeutung. Dies gilt sowohl für die Jahr- als auch für die Wochenmärkte.

MarktfrauNach einer Zusammenstellung Von 1819 existierten in Moers zu jener Zeit fünf Jahrmärkte, die nach Aussage der ältesten Bewohner seit undenklichen Zeiten bestanden. So traditionsreich sie offensichtlich waren, so zeigt ihre Dauer von nur je einem Tag, dass ihre Bedeutung nicht groß gewesen sein kann. Die Jahrmärkte fanden am ersten Donnerstag im März, am 27. April (bei Sonn- oder Festtagen am folgenden Tag) , am ersten Donnerstag im Juli, am ersten Donnerstag im September und am ersten Donnerstag im November statt. Diese Termine lassen sich fast das gesamte 19. Jahrhundert hindurch verfolgen, wobei der April- Termin in der zweiten Jahrhunderthälfte auf die ersten Maiwochen verschoben wurde. Auf diesen später als "Kram- oder Schweinemärkte" bezeichneten Märkten wurden vor allem Tuche, Galanteriewaren, Schuhe, Hüte und Porzellan usw., aber eben auch Schweine angeboten. Veranstaltet wurden die Jahrmärkte auf dem Altmarkt, der bei gutem Besuch mit Reihen von Ständen und Buden dicht bestanden war. Der Besuch der Märkte war durchaus schwankend. Hier fand die allgemeine Konjunktur ebenso ihren Niederschlag wie aktuelle Störfaktoren, etwa ungünstige Witterung. Folge war ein unregelmäßiges Einkommen der Marktstandgelder, von deren Höhe man sich besonders in der ersten Jahrhunderthälfte keine übertriebenen Vorstellungen machen darf. Der Haushaltsetat für 830 setzt sie mit 40 Talern an, was genau den Beträgen entspricht, die aus der Hundesteuer und dem Grasverkauf vom Glacis erwartet wurden. Lange Zeit scheinen die fünf Termine auch für den Schweinehandel ausreichend gewesen zu sein. Einer Nachricht zu 1846 ist zu entnehmen, dass im Kreis Geldern, zu dem Moers bis 1857 gehörte, nur Orsoy an zwei Terminen im Jahr einen Viehmarkt abhielt. Doch auch in Moers wuchs das Interesse an der Einrichtung eines solchen Marktes. 1852 beschloss die Bürgermeistereiversammlung, 50 Taler zur Förderung eines Viehmarktes zu spenden, wie dies zuvor schon der landwirtschaftliche Verein getan hatte79. Zumindest seit 1861 hielt dann auch Moers im April und Oktober je einen Viehmarkt ab, der wegen des Überwiegens der Schweine bald als Schweinemarkt bezeichnet wurde.

Mit dem kontinuierlichen Anstieg der Moerser Einwohnerschaft stieg auch der Fleischbedarf stetig, so dass die Zahl der Schweinemärkte nicht mehr ausreichte. 1891 waren allein 14 Termine ausschließlich dem Schweineauftrieb vorbehalten, an vier Terminen durften neben anderen "Waren" auch Schweine aufgeboten werden, drei weitere galten nur dem Pferdeverkauf. 1895 erhöhte sich die Zahl der Schweinemärkte noch einmal, so dass am ersten und dritten Donnerstag jeden Monats ein solcher Markt stattfand. Hingegen mussten die drei Pferdemärkte wegen zu geringer Beschickung nach zehnjähriger Dauer 1894 aufgegeben werden.

Die Zahl der aufgetriebenen Schweine nahm, so ist es den Angaben für die Zeit um 1900 zu entnehmen, ständig zu, wurde allerdings in den Jahren 1895-1897 und 1908 durch das Auftreten der Maul- und Klauenseuche stark beeinträchtigt. Von jährlich zwischen 15000 und fast 20000 in den 1890er Jahren wuchs sie auf gut 26000 Tiere im Jahr 1907 an. Seit wann der Neumarkt als Ort des Schweinemarktes anzusehen ist, wird aus den Quellen nicht ganz deutlich. 1896 jedenfalls hielt es die Stadt wegen des Platzmangels für notwendig, durch den Ankauf von fünf Gärten die "Verkaufsfläche" zu vergrößern. Die Sorge der Regierung, dass die mit den Jahrmärkten verbundenen "Lustbarkeiten" die Bevölkerung zu sehr zu Müßiggang und Geldverschwendung verführen würden, wirkte sich auch auf die Moerser Krammärkte aus. Als die Stadtverordnetenversammlung 1907 die Aufhebung der im März und November stattfindenden Jahrmärkte beschloss, war von den fünf alten Jahrmärkten keiner mehr übrig. Allein die Kirmessen in Moers-Stadt, Hochstraß, Asberg, Hülsdonk, Vinn und Schwafheim blieben bestehen, wobei die Moerser September-Kirmes hervorgehoben wurde, da diese wegen des durch sie hervorgerufenen Fremdenverkehres von wirtschaftlicher Bedeutung sei.

Im Gegensatz zu den Jahr- und Schweinemärkten stellten die Wochenmärkte die Versorgung der Bürger mit Waren des täglichen Gebrauchs sicher.Die beiden Wochenmärkte fanden in den 1880er Jahren dienstags und freitags statt. Hinzu trat ein montags stattfindender Fruchtmarkt, der dem Verkauf von Getreide diente. Während die beiden Wochenmärkte auf dem Altmarkt stattfanden, wurde der Fruchtmarkt im geschlossenen Saal abgehalten. So ist es zumindest seit 1878 erkennbar, als der Stadtrat aus einer Gruppe von vier Bewerbern um den Fruchtmarkt dem Gastwirt Geerkens den Zuschlag gab. Geerkens hatte bereits in den vorangegangenen sechs Jahren in seinem Lokal den Markt abgehalten, und noch 1899 wird das Hotel Geerkens (Deutsches Haus) als Veranstaltungsort genannt. Der Wirt hatte das Marktmeisteramt zu versehen und der Stadt 75 Mark ( 1899) zu zahlen, konnte im Gegenzug ein Eintrittsgeld von den Kunden verlangen. Bis Mitte 1907 blieb der Kaisersaal des Deutschen Hauses Veranstaltungsort, dann wechselte der Markt zur Wirtschaft Müller in der Kirchstraße. Die Einrichtung eines Wochenmarktes in der Arbeiterkolonie Meerbeck (1905) bedeutete zwar eine gewisse Konkurrenz für die Moerser Märkte, ohne diese jedoch gefährden zu können.

 

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