Repelen - Der Ortsname
RepelenWenn es nach dem urkundlich nachweisbaren Alter gegangen wäre, dann hätte Repelen in dem langen Zuge der Rheinkamper Ortsnamen bildet Repelen die Spitze, denn eineinviertel Jahrtausend tief in der Vergangenheit steht sein Name schon verzeichnet.

Doch schauen wir zunächst auf das Werdener Heberegister von etwa 900, ehe der Schritt weiter zurück getan wird. Nach diesem durch die Aufzeichnung vieler niederrheinischer Ortsnamen hier so bedeutungsvollen Schriftstück besaß die Werdener Benediktiner-Abtei Güter in der "Rapilarahesi" oder "Rapilarohesi", d. h. in der Repelener Heese. Dicks unternimmt den Versuch einer Namenserklärung. Er meint, in "Rapil ara hesi" könne die Bedeutung Altar (ara) des Hesus, des Kriegsgottes der Kelten, stecken. Aus Rapilarohesi sei im Laufe der Zeit Repplere, Replar usw. und schließlich Repelen geworden. Rapilarohesi aber heißt, wie auch sprachlich und klanglich sich ergibt, nichts anderes als Repeloher oder Repelener Heese. Es ist auch daran gedacht worden, dem linksrheinisch im römisch besetzten Gebiet gelegenen Repelen die lateinischen Worte "ripa alta", d. h. hohes Ufer, zu unterlegen, woraus dann Repelar, Repelen geworden sei.

Nun ist aber, wie ich schon feststellte, die Ortsnennung im Werdener Heberegister durchaus nicht die älteste. Im Jahre 855, drei Jahre nach dem Normanneneinfall, bei dem die Wikinger den Rhein hinauffuhren und u. a. Xanten überfielen und plünderten, schenkt Hattho, "vir illuster", also ein vornehmer, bedeutender Mann, im Gau Toxandrien an der Stelle, die "Replel" heißt, dem Kloster Emternam umfangreime Güter, nämlich eine vom hl. Willibrord selbst geweihte Kirche nebst einem Herrenhof mit allem Zubehör und 42 Hörigen. Repleu wird hier der Ort genannt. Damit nicht genug: rund 130 Jahre früher, 726, zählt der hl. Willibrord unter den Gütern, die er dem Kloster Echternach überträgt, auch Besitzungen auf, die ihm Heinrim „in villa que vocatur Replo" gegeben hat. Ende des 7. Jahrhunderts, wahrscheinlich in der Zeit zwischen 692 und jedenfalls vor 726, muss diese Schenkung an Willibrord erfolgt sein. Hier ist also von "Replo" die Rede, und zwar handelt es sich nicht um ein Dorf, sondern um eine Villa, um ein großes Landgut.

Auch 855 wird nicht von einem "Dorf" Reple gesprochen. Es ist ein bedeutender Herrenhof, der mit seinen umliegenden Hörigenstellen wohl schon einen dorfartigen Charakter trägt und sich zu einem Dorf entwickelt, das seinen Ursprung aus einem Herrensitz nie ganz abgestreift hat. Schon Heinrim Vieg schreibt in der Geschichte seines elterlichen Hofes ganz unabhängig von überlegungen, wie im sie hier anstelle, der hemalige Repelener Rittersitz, Viegenhof nämlim, ist, merkwürdigerweise, der einzige größere Hof dieser so alten Dorfsiedlungl.

Das Dorf Repelen ist also aus einem schon im 7. Jahrhundert bestehenden bedeutenden Herrensitz "Replo" hervorgegangen. Zu ihm gehörte auch die von Willibrord geweihte Kirche, von der später noch die Rede sein wird. Replo ist die älteste Schreibweise. Schon im 9. Jahrhundert hat sich das „o“ in ein „e“ gewandelt, wie Halon zu HaIen, Barlo zu Barle, und dann heißt der Ort jahrhundertelang "Reple“. In Replo steckt wieder die Silbe lo, loh = Wald. Was aber bedeutet die Silbe "Rep"? Mit unbedingter Sicherheit ist diese Frage wohl nicht zu entscheiden, aber ich möchte glauben, dass doch das lateinische Wort ripa = Ufer darin steckt, denn Repelen lag ja unmittelbar am linken, römischen Ufer des alten Moersbachrhein (laufes. Ripuarier nannten sich die Uferfranken!) Ripalo würde also Uferwald bedeutet haben. Sprachlich ist die Entwicklung von Ri = palo zu Replo sehr gut möglich. Wie aber die Deutung des Namens auch geschehen möge, so viel ist sicher, Wald hat einst die Gegend von Repelen bedeckt.

Der einst nur sehr schwachen Besiedlung entsprechend wird Rheim nur selten in den älteren Urkunden genannt. Sicherlich nicht zufällig ist es auch auf der Mercatorkarte nicht vermerkt, und in der wiederholt zitierten Aufzählung von 1784 fehlt sein Name ebenfalls. "Reydeham" heißt der Ort in einer Urkunde vom Jahre 1226, "Reydom" steht auf der van Heurdt'schen Karte. Ähnlich wie Binz'm wird der Name zusammengezogen Reyd'm ausgesprochen worden sein, und von da zum heutigen Rheim ist kein weiter Schritt. Der Name Reydeham sagt ebenfalls etwas über das einstige Landschaftsbild aus. Ein Hamm, eine flache Landzunge, die bogenartig in eine mit seichtem Wasser oder Sumpf gefüllte Rinne vorsprang, hat dort gelegen, und diese Rinne war mit Reet, Ried, Rohr, Schilf bewachsen. Das alte Rheim lag in der Nähe des heutigen Anrathskendels, und so ist also der sumpfige Riedbogen ohne weiteres zu erklären.

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