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Rheinkamp-Repelen |
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Lehmpastor Felke - damals und heute
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Repelen,
ein nördlicher Stadtteil von Moers, war um die Jahrhundertwende ein
kleines, verschlafenes Kirchdorf. Die arbeitsame ländliche Bevölkerung
lebte in einfachen Verhältnissen. Einzige Abwechslung nach getaner
Arbeit bot der Gasthof »Zur Linde«, die spätere Wirkungsstätte Felkes.
Mit der Dorfidylle war es bald vorbei, als sich im Jahre 1897 der
Pfarrer Emanuel Felke entschloß, hier eine Kuranlage, den Repelener
»Jungborn«, zu errichten. Vorbild hierfür war der von Adolf Just
errichtete »Jungborn« irn Eckertal im Harz. Wie Felke war auch Just
ein Naturheiler. Es entstanden zunächst 50 Lufthütten, auch
Lichtlufthäuschen genannt, in denen die Kurgäste untergebracht waren.
Untergebracht in Felkes Sinne hieß, ein Leben nahe der Natur, schlafen
auf dem Lehmboden oder auf Strohsäcken. Bald aber reichten diese
Unterküfte nicht mehr aus, so daß die Kurgäste in Privatquartieren
aufgenommen wurden. Die Zahl der Kurgäste wuchs schnell, das Dorf
etlebte großen wirtschaftlichen Aufschwung. Geschäfte belebten nun die
einstmals stillen Dorfstraßen. Was gab es nicht alles zu kaufen: die
Felke-Mötsch (Mütze), Felke-Sandalen, das Graham-Brot, den Nährkaffee,
auch eine Zinkwanne für das morgendliche Sitz-Reibebad, selbst
Fahrräder mit dem Namen »Jungborn«. Die Felke-Praxis und der
Kurbetrieb vergrößerten sich bis 1914 von Jahr zu Jahr. Repelen wurde
berühmt, nicht nur in Deutschland. Es trafen sich hier wohlhabende
Kaufleute aus Holland, Frankreich und Übersee, Farmer aus Philadelphia
und Honolulu ebenso wie russische und polnische Magnaten. Boris
Pasternak war hier zur Kur, und auch eine Postkarte aus Amerika,
adressiert »an den Lehmpastor in Deutschland«, verfehlte ihr Ziel
nicht. Dazu ein Original-Zitat aus dem Düsseldorfer Generalanzeiger
vom 1. Mai 1904: »Der Zulauf zu Felke isr ein ungemein großer. Tag für
Tag kommen aus allen Himmelsgegenden scharenweise Kranke, die nach der
Felke-Heilmethode, sei es zu Hause, sei es in unserem Kurort, Hoffnung
von ihrem Leiden suchen.
Felke wurde am 7.02.1856 in Kläden (Altmark) geboren. Sein Vater war
Seminarlehrer, die Mutter eine Pfarrerstochter. In der eigenen Familie
gab es viele Krankheiten, die Felkes Vater mit homöopathischen Mitteln
behandelte. Hier hat Felke seine ersten Eindrücke gesammelt und sein
Interesse wurde geweckt. Warum der Vater dem begabten Sohn, der seine
Reifeprüfung mit Auszeichnung bestand, nicht den Weg zum
Medizinstudium ebnete, ist nicht bekannt. Doch schon während seines
Studiums der Theologie an der Universität in Berlin nahm Felke an
naturwissenschaftlichen und medizinischen Vorlesungen teil. In seiner
Freizeit beschäftigte er sich mit der Literatur der großen Naturheiler
Hahnemann, Prießnitz, Koeipp und Just. Irn Jahre 1887 kam er als
Pfarrer in die evangelisch-reformierte Gemeinde in Cronenberg bei
Elberfeld. Nachdem hier im Jahre 1894 eine Diphtherieepidemie
usgebrochen war, der die Ärzte hilflos gegenüberstanden, begann Felke
auf seine Weise zu behandeln, mit so großem Erfolg, daß die Kranken in
Scharen zu ihm kamen. Dazu Waldemar Kramer in seinem Buch Lehmpastor
Emanuel Felke:
Beim Ausbruch einer Diphrherie-Epidemie 1890 sterben viele Kinder, die
von den Cronenberger Ärzten behandelt wurden, während die vom Pastor
Felke mit dem homöopathischen Mittel Mercurius Dyantus C 30, das
damals den Ärzten unbekannt war, behandelten Kinder gesunden. Ohne es
zu wollen, wird er von seinen Gemeindemitgliedern um Rat und Hilfe bei
Krankheitsfällen ersucht und so genötigt, neben seinem Pfarrberuf in
seiner Freizeit Sprechstunden abzuhalten.
Nach Repelen kam Felke im Jahre 1894 mit dem Entschluß, wieder
ausschließlich Seelsorger zu sein. Doch er war schon zu bekannt. Viele
seiner ehemaligen Patienten folgten ihm, und so entschloß er sich 1897
zur Gründung der Repelener Jungborn-GmbH mit 81 Gesellschaftern und
50.000 Goldmark Kapital. Felke war ein selbstloser, tiefgläubiger
Mensch, fern jeder Eitelkeit und Frömmelei. Wenn Paracelsus sagt: »Der
tiefste Grund jeder Arznei ist die Liebe«, so trifft dies für Felke
zu. Er liebte den Menschen und bemühte sich, mit all seinem Wissen
Mensch für den Menschen zu sein. Der Einfluß seiner Persönlichkeit auf
den Patienten, damit zugleich auf den Prozeß der Heilung, war sehr
groß. Felke wußte, was der Schulmedizin oft fremd ist: daß der Kranke
immer ein Ganzes ist aus Körper, Seele und Geist. Und wenn man
bedenkt, daß es ihm gelungen war, den Repelener Bauern das
Fleischessen abzugewöhnen, so muß er schon eine große
Überzeugungskraft gehabt haben.
Auch war er kein Kind von Traurigkeit, im Gegenteil, er war ein sehr
geselliger, humorvoller Mensch. Abends in der »Linde« wurde nicht nur
gesungen, der Pastor setzte sich auch schon mal ans Klavier und
spielte zum Tanz auf. Wer heute in die noch bestehende Gaststätte geht
und im Felke-Zimmer seiner Büste zuprostet, kann ganz sicher sein, daß
der Pfarrer hier nicht auf vegetarischen Regeln bestehen würde. Was
Felke gar nicht lag, war das Geschäftliche. Geld war ihm völlig
gleichgültig. Auch wer nicht zahlen konnte, wurde behandelt. Es gab
dann die bekannte Rechnung: "a.P.R.", das hieß: "auf Pastors
Rechnung". Über seine Freigiebigkeit erzählt man sich in Repelen
folgende Geschichte: Ein Bettler bat Felke um ein Paar Schuhe. Der
Pfarrer gab ihm sein neuestes Paar, und als seine Frau dagegen
protestierte, weil es doch seine besten Schuhe waren, sagte er: "Alte
hatte er ja an!"
Wer so erfolgreich ist, hat Neider. Besonders die Ärzteschaft nahm
Anstoß an den Methoden des Pfarrers. Insgesamt wurde er 17 mal wegen
Kurpfuscherei angeklagt. Er hat keinen dieser Prozesse verloren. Dazu
ein Originalzitat seiner Kritiker aus dem Iserlohner Tageblattvom
18.11.1899: "Pastor Felke, im benachbarten Repelen, zieht mit seiner
seltsamtn Kurmethode immer mehr Leute an, die sich dort, um gesund zu
werden, im Lehm herumwälzen, dann nackt spazierengehen. Das ist, wenn
man von allen wirtschaftlichem und unwirtschaftlichem Beiwerk absieht,
so ziemlich die Quintessenz der neuen Heilslehre, die in der That
alles in dieser Richtung bisher Geleistete überbietet."
Mit
Beginn des 1. Weltkrieges wurde das Jungborn-Hotel in Repelen zu einem
Lazarett. Die Kuren konnten nun nicht mehr durchgeführt werden. Hinzu
kam, daß Bergbau und Industrie eine starke Luftverschmutzung
verursachten, die für einen Kurort nicht zumutbar war. Das war für
Felke im Jahre 1915 Anlaß, seinen Kurbetrieb nach Sobernheim an die
Nahe zu verlegen. Insgesamt arbeitete Felke 17 Jahre in Repelen,
pendelte dann noch eine Zeitlang zwischen Sobernheim und Repelen, so
daß man seine Zeit hier auf 20 Jahre beziffern kann. Felke starb am
16. August 1926 in München. Im Vergleich zu anderen Heilkundigen
seiner Zeit ist er relativ unbekannt geblieben, obwohl er mit seinem
Wirken die Naturheilkunde entscheidend beeinflußt hat. Leider hat er
kein Buch über seine Heilweisen hintetlassen. Er wurde in der Stadt
Bad Sobernheim, die ihn 1923 zum Ehrenbürger ernannt hatte,
beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht: »Ich schlafe, aber mein Herz
wacht«.
Als hätten die Eltern seinen Lebensweg geahnt, wurde Felke auf den
Namen Erdmann Leopold Stephanus Emanuel Felke getauft. Erde als
Heilmittel, diese uralte Therapie in Form von Lehm einzusetzen, ist
seine Entdeckung: "Man muß den Menschen in die Erde hineinsetzen, aus
der er erschaffen wurde. Der Erde nahe, auf dem Erdboden schlafen, mit
der Erde verbunden sein: Schlaft viel auf der Erde, dann braucht ihr
nicht so früh unter die Erde!" Auch die übrigen Grundelemente der
Natur (Wasser, Luft und Licht) waren Bestandteil seiner Heilslehre.
Hinzu kam eine gesunde, vollwertige Ernährung, viel Frischkost, die
nach seiner Meinung noch die Kraft der Erde und der Sonne enthielt.
Die Ernährung sollte so gesund und ausgewogen sein, daß sie einem
Medikament gleichkam. Sein Motto war: "Kehrt zurück zur Natur, zur
Einfachheit, zum Wesentlichen." Zur Feststellung einer Krankheit
bediente er sich unter anderem der Augendiagnose. Die Erkennung einer
Krankheit aus dem Gesichtsausdruck, hauptsächlich aus der
Regenbogenhaut des Auges, beherrschte Felke meisterhaft. Einer seiner
Leitsätze war: "Die Iris diktiert das Rezept." Er verordnete
Naturheilmittel in Verbindung mit Kaltwasseranwendungen und gibt somit
als Begründer der Komplexhomöopathie. Felke war ein
Ganzheitsmediziner. Ganzheit heißt, auch die Psyche des Patienten in
das Krankheitsbild mit einzubeziehen. Dazu gehört, sich mit dem Umfeld
des Kranken auseinanderzusetzen, sein soziales Milieu (Familie,
Umfeld, Beruf) zu berücksichtigen.
In einem Vortrag: "...und Felke hatte doch Recht" würdigte Dr. Bolland,
Leiter des Felke-Kurhauses Dhonau, diesen wie folgt: "Pastor Felke war
der erste Ganzheitsmediziner unserer Zeit, der bereits damals Körper,
Seele und Geist des Menschen gleichzeitig gesehen und behandelt hat."
Felke kann als klassischer Priesterarzt bezeichnet werden, der
erkannte, daß zum Gesundwerden nicht nur eine gute Medizin, sondern in
erster Linie ein fester Lebenswille, ein fröhlicher Geist und eine
große Portion Selbstdisziplin wichtig sind. So ist noch heute die
Felke-Therapie eine Aktivtherapie, die die Mitarbeit des Patienten
erfordert. Zugleich ist sie eine Ganzheitstherapie, deren Philosophie
der traditionellen chinesischen Medizin recht nahe kommt.
Dazu sollte man wissen, daß in der chinesischen Medizin ein Arzt nur
dann sein Honorar erhält, wenn der Patient gesund bleibt, das heißt,
gar nicht erst krank wird. Dies ist auch ein wichtiges Ziel der
Felke-Kur und seiner Lehre: Prävention nach der Devise: vorbeugen,
gesund leben, gesund bleiben. Oder wie es im Kurort Repelen um die
Jahrhundertwende hieß: Luft, Wasser, Erde helfen uns von viel
Beschwerde, und wo nötig, Hahnemann auch ein Wort mitreden kann.
Die großartigen Heilerfolge verbreiteten sich rasch, und bald machten
auch wunderbare Geschichten die Runde, die zu sammeln sicher Wert
wären. Hier eine Kostprobe: Felke, der ja unbekleidetes Baden in
Wasser, Luft und Sonne vorschrieb, wurde einmal von empörten Frauen
des Repelener Damenbades aufgesucht. Es ging dabei um einen Jungen,
der in bester Position auf einem Apfelbaum jene nackt badenden Evas
beobachtet hatte. Natürlich forderten die Frauen strenge Bestrafung.
Der Pastor aber sah den Jungen ernst an und fragte: "Wie lange hat du
dort oben gesessen und hingeschaut?" - "Nicht lange, Herr Pastor,
vielleicht eine halbe Stunde." "Laßt ihn gehen", sagte Felke, "er ist
gestraft genug." Die Kaiserin Auguste Viktoria war auf den Lehmpastor
aufmerksam geworden. Um einen ersten Kontakt herzustellen, schickt sie
eine Hofdame zu ihm. Wie alle anderen Patienten auch, mußte sie im
Vorzimmer warten. Als sie endlich an die Reihe kam, fand sie den
Pastor an seinem Schreibtisch sitzend. Er sah kaum von der Arbeit auf
und sagte: "Nimm dir 'nen Stuhl." Die an die Hofetikette gewöhnte Frau
war wohl mit dem vertrauten "Du" nicht einverstanden und antwortete:
"Aber gestatten Sie, Herr Pastor, ich bin doch die Gräfin von Voß!" Da
sah Felke von seinem Schreibtisch auf, schaute die Hofdame eine Weile
belustigt an und sagte dann gelassen: "So, so -na, dann nimm dir zwei
Stühle!"
Bei einem Spaziergang wurden die Kurgäste vom Regen überrascht. Die
Damen hüllten sich in ihre Bademäntel, die von oben bis unten
zugeknöpft waren. Hatte nun eine das Pech zu fallen, war es schwer,
allein wieder auf die Beine zu kommen. Da passierte es, daß eine Frau
fiel, und ihr Begleiter, ein reicher Junggeselle, der von astor Felke
als "Gustävkell" vorgestellt war, stand ratlos daneben. Pastor Felke,
der mit den anderen schon vorausgelaufen war, schaute sich um, sah die
beiden Hilflosen und rief: »Gustävken, nun hilf doch der Elisabeth
auf« -Gustävken aber rief kläglich: "Ick wet nit, wo ick se anpäcken
soll." Mit der steigenden Zunahme der Felke-Anhänger entstand das
Bedürfnis nach einem festen Zusammenschluß. So entwickelte sich eine
Felke-Gemeinde, die sich zunächst aus den örtlichen Vereinen in
Krefeld, Essen und Kettwig und später in Duisburg und Dortmund
zusammensetzte. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges bestanden bereits 21
Felke-Vereine, u. a. in Aachen, Bochum, Bonn, Kleve, Köln, Essen,
Gelsenkirchen, Harnborn, Hamm, Hornberg, M.-Gladbach, Mülheim (Ruhr),
Münster i. W., Oberhausen, Ratingen, Rheydt, Siegburg, Stettin,
Uerdingen und Wesel. In der Folgezeit wurden im ganzen Land von
Harnburg bis München noch viele Felke-Vereine gegründet, insgesamt
waren es 507. Im Jahre 1904 regte der Krefelder Felke-Verein an,
einen Verband der Felke-Vereine zu gründen. In einem Schreiben vom 9.
September 1904 äußerte sich Pastor Felke selbst dazu:
"Selbstverständlich ist irgendein Band der Felke-Vereine nötig, die
Form kann ja gemeinsam beraten werden. Ich würde evtl. mal in Repelen
mit einigen Abgeordneten der Vereine ackern." In der Vereinssatzung
hieß es: "Die Hauptaufgabe des Vetbandes soll sein, durch engen
Zusammenschluß der Vereine diese zu stärken und zu schützen gegen die
Angriffe und Unterdrückungen seitens ihrer Gegner, das Volk durch
Vorträge, Schriften und dergleichen au&uklären und die Felke-Sache in
immer weitere Schichren des Volkes zu tragen, ferner die Neugründung
von Vereinen an allen Orten in die Wege zu leiten."
Den entscheidenden Anstoß für eine weitere Ausbreitung der Ideen von
Pastor Felke gab sein öffentlicher Vortrag in Krefeld im Jahre 1898 in
der damaligen Olmühle. Vor mehr als tausend Zuhörern erläuterte er in
anschaulicher Weise seine Heilmethode und erklärte eindrucksvoll die
Notwendigkeit der Rückkehr zur Natur. Bei seinen späteten Vorträgen in
Duisburg, Essen und Köln strömten so viel Zuhörer in die Vortragssäle,
daß die Polizei die Zugänge schließen mußte. Ein weiterer wichtiger
Impuls für die Ausbreitung der Felke'schen Ideen war die Herausgabe
der "Felke-Zeitung", in der nun laufend über Krankheitsfälle und deren
Heilung berichtet wurde. Der damalige Geschäftsführer schrieb im Jahre
1912 über die Felke-Bewegung: Unsere Felke-Vereine haben es sich zur
Aufgabe gemacht, im Volke ein höheres Bewußtsein der
Veranrworrlichkeit für seine Gesundheit und sein körperliches und
geistiges Wohlergehen zu wecken, denn nur dann ist es möglich, das
Volk zur Mitarbeit im Kampfe gegen die Entartung zu gewinnen. Sie
sollen durch Wort und Schrift die Lehren der vernunftgemäßen
Gesundheitspflege und der naturgemäßen Lebens- und Heilweise in das
Volk tragen. Überall verkünden sie die Parole: Kehrt zur Natur zurück.
Durch Errichtung von Licht-Luftbädern, Abhaltung von Vortragsabenden,
Schaffung von großen Bibliotheken bieten die Vereine ihren Mitgliedern
überall Gelegenheit, praktisch die Lehren der naturgemaßen
Gesundheitspflege zu bestatlgen und Ihre wertvollen VorteIle auch
selbst zu genießen.
Jeder soll hier lernen, er soll sich Kenntnisse sammeln, um in der
Lage zu sein, sein eigener Arzt und der Arzt seiner Familie sein zu
können. Die Felke'sche Heilweise ist eine Volksheilweise, sie ist eine
Wohltat für das Volk, jedem zugänglich, dazu die einfachste und auch
die billigste Heilweise. Und diese Heilweise in immer weitere Kreise
zu tragen, sie populär zu machen, aufklärend und belehrend zu wirken
und die Menschheit zu natur- und vernunftgemäßer Lebensweise
anzuhalten und zu erziehen, das ist der Hauptzweck der Felke-Vereine."
Im Jahre 1935 wurde der Verband der Felke-Vereine, wie die anderen
deutschen Naturheilverbände, in die Reichsarbeitsgemeinschaft der
Naturheilverbände mit Sitz in München eingegliedert. Während des
Krieges gingen die wertvollen Akten des Verbandes verloren. Im Jahre
1949 bestellte das Registergericht in München den Heilpraktiker
Wilhelm Zähres aus Kettwig zum Treuhänder des Verbandes der
Felke-Vereine. Bereits am 26.12.1949 konnte in Düsseldorf die erste
Verbands-Versammlung stattfinden. Es wurde beschlossen, den Verband
der Felke-Vereine in "Felke-Bund e.V." umzuändern. Sitz des
Felke-Bundes und der Geschäftsstelle wurde Sobernheim.
"Und Felke hatte doch recht", sagte Dr. Bolland einmal. Die Familie
Bolland hat im Jahre 1983 das Felke-Kurhaus Dhonau wiedereröffnet.
Inzwischen ist das Haus ein blühendes Unternehmen und beweist die
Richtigkeit dieser Aussage. In Sobernheim gibt es noch zwei weitere
Felke-Kurhäuser, und seit dem 11.12.1995 ist das Felke-Heilbad
Sobernheim anerkannt als "Bad" Sobernheim. Natürlich hat sich einiges
geändert. So auch die Preise: Um 1900 betrugen sie nach einem Auszug
aus der Repelener Kurzeitung: "Volle Pension im Jungborn: (Wohnung,
Verpflegung, Bäder) pro Woche a Person 42 Mark, ...einzelnes Frühstück
a Person 1 Mark 25 Pfg., einzelnes Mittagessen a Person 1 Mark 75 Pfg.,
einzelnes Abendessen a Person 50 Pfg., Nachtschlafen auf eigenem
Strohsack a Person 50 Pfg. Die aktuellen Preise liegen sicherlich weit
darüber. Doch dafür schläft man nun nachts nicht mehr auf Strohsäcken
in offenen Holzhäuschen. Die wesentlichen Elemente sind aber
geblieben. Saß früher, wie Felke sich ausdrückte, "die halbe
Grafschaft mit ihrem Unaussprechlichen im kalten Wasser", so ist das
auch heute noch so. Der Kurtag beginnt mit dem morgendlichen
Sitzreibebad, zum Teil noch in den altmodischen Zinkwannen, die dazu
handbreit mit kaltem Wasser gefüllt werden. Man badet auf gleiche
Weise im Lehm und turnt auf tauftischem Gras. Die Ernährung ist
lactovegetarisch, wird aber auf den Einzelnen abgestimmt. Was auch
stimmt, ist die Stimmung, die freundliche Atmosphäre, die wie von
selbst entsteht. Hinzugekommen ist neben der klassischen und
neuzeitlichen Naturheilkunde die östliche Heilkunde. Der Kurgast
erhält eine Vielzahl von Informationen, die wie zu Felkes Zeiten dazu
geeignet sind, einen gesunden Alltag zu leben. Heute gibt es neben
Arztvorträgen Kurse in Tai Chi ebenso wie Meditation oder
Atemgymnastik. In der Freizeit kann man an Theater- und
Museumsbesuchen, geführten Wanderungen 0. ä. teilnehmen. Alles ist
darauf ausgerichtet, den häufig durch Auswüchse der Zivilisation sich
selbst entfremdeten Menschen zu sich und zur Natur zurückzuführen. Wie
sagte doch Felke? "Gesundheit muß gelebt werden.". |
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