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Rheinkamp-Repelen |
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Die Dong im Wandel zur Industrielandschaft
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Spaziergänger
und Erholungssuchende, die am Wochenende die bis dahin fastunberührte
Landschaftsinsel der Dong zwischen Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort
aufsuchen, müssen seit einiger Zeit gewaltige Veränderungen dieser von
der Natur in langer Zeit geschaffenen Landschaft wahrnehmen. Nicht
mehr Felder, Weiden, Büsche und Wälder mit Krüppelgehölzen sowie
Gehöfte und kleine Häuser bestimmen allein ihr Aussehen, sondern in
zunehmendem Masse riesige Baggerseen mit Steilufern, ausgekieste
Krater, Dünenkomplexe aus Sand und Kies, riesige
Kiesaufbereitungsanlagen, lärmende Bulldozer und LKWs und schließlich
Erdwälle an beiden Seiten der Wege und Straßen, die dem Spaziergänger
das Gefühl vermitteln, eingesperrt zu sein. Die Dongbewohner haben für
diesen Prozess eine kurze und prägnante Formel gefunden: "Die Dong
stirbt!" Der Grund hierfür ist der scheinbar unaufhaltsame Wandel der
Dong von der Naturlandschaft zur Industrielandschaft.
Die Dong ist ebenso wie die übrigen Donken des sogenannten Moerser
Donkenlandes durch die Zertalung und Zerteilung der
Niederterrassenebene in der Würmeiszeit entstanden. Die Vegetation
setzte in großem Maße in der Nacheiszeit ein und zwar in mehreren
Perioden, angefangen von der an Urwälder erinnernden Waldvegetation
über eine Differenzierung der Wälder bis hin zur heutigen Form, wonach
die schlechteren Sandböden hauptsächlich Krüppeleichen, kümmerlich
aussehende Eichen, Birkenbüsche und einzelne Kiefern (z. B. das
Mühlenfeld), die Kendelniederungen Gras und die Ufer entlang der
Kendelläufe Pappeln, Erlen und Kopfweiden gedeihen lassen.
Der Faktor, der jedoch den nachhaltigsten Einfluss auf diesen
Naturraum nahm beziehungsweise nimmt, ist der Mensch. Er löste mit
seinen Eingriffen und Veränderungen im Laufe der Zeit die Natur als
landschaftsprägendes Instrument weitgehend ab. Dabei vollzog und
vollzieht sich noch die Umformung in drei aufeinanderfolgenden Stufen.
In der ersteh Stufe, die mit dem Werden des Menschen in der
Vergangenheit eng verbunden ist, gliederten sich die einzelnen
Menschen oder Menschengruppen als Sammler, Jäger oder Fischer in die
Natur ein. Sie nahmen die Natur und deren Erscheinungen als gegeben
hin und unterwarfen sich ihrim großen und ganzen. Während die Uferzone
schon im Neolithikum, der früheren Jungsteinzeit, erste Spuren der
Besiedelung aufwies, wahrscheinlich wegen der günstigen
Siedlungsbedingungen der waldfreien Flächen und der vor Hochwasser
schützenden Dünenkuppen, bot das eigentliche Donkenland und somit auch
die Dong mit seinen vielen Wasserläufen, sumpfigen Niederungen und
riesigen urwaldähnlichen Waldflächen den prähistorischen Menschen
keinerlei Siedlungsmöglichkeit. Erst mit dem eintretenden Klimawechsel
(so etwa 3000 v. Chr.), der ein Rückschreiten des Waldes bewirkte,
siedelten sich Menschen in der späteren Jungsteinzeit in größerem Maße
wieder an und drangen vereinzelt auf die nun waldfreien, von der Heide
eingenommenen Flugsandflächen im Innern des Donkenlandes vor und
betrieben wahrscheinlich schon vorgeschichtlichen Ackerbau in der Nähe
von Neukirchen. Doch spielten weder diese eventuell einzeln
auftretenden Ackerflächen noch die Zahl der Einzelsiedlungen eine die
Natur beeinflussende Rolle.
Die zweite Stufe hingegen ist dadurch gekennzeichnet, dass der Mensch
damit beginnt, in die Natur oder in den Naturraum in dem er lebt,
seinen Bedürfnissen und Vorstellungen entsprechend einzugreifen, ihn
umzugestalten, um die von der Natur vorgegebenen Möglichkeiten
auszunutzen. Zu Beginn der auf die Römerzeit folgenden langen
Siedlungsperiode, die von 500 n. Chr. bis ungefähr 1800 reichte,
setzten die Franken die Besiedelung zunächst der Uferzone des Rheines
und dann allmählich des weiter westlich gelegenen Donkenlandes fort.
Die Erschließung des nördlichen Teiles und wahrscheinlich auch der
Dong, ging erst gegen 1100 n. Chr. vom Kloster Kamp aus. In dieser
Zeit veränderte sich das Landschaftsbild des Donkenlandes zum ersten
Mal. Die bis dahin unberührten Wälder wurden vom Menschen gerodet und
immer weiter zurückgedrängt, bis schließlich einzelne Inseln als
Bruchwald oder auf den Dünen übrig blieben. Der Boden wurde kultiviert
und diente fortan der intensiven Nutzung als Ackerfläche, während die
feuchten Niederungen für die Viehhaltung benutzt wurden.
Dennoch muß man hier sagen, daß das Eingreifen des Menschen nicht
gleichbedeutend mit dem Verwischen oder Auslöschen der Charakterzüge
und dem Wesen des betreffenden Raumes verbunden ist, sondern gerade
durch die Landwirtschaft beispielsweise können, wie auch Teil
geschehen, zwar nicht das ursprüngliche Landschaftsbild, wohl aber die
Wesenszüge des natürlichen Gefüges in diesem Raum erhalten und zum
Teil auch deutlicher herausgestellt werden. So auf der einen Seite die
feuchten und von Kendelbächen durchzogenen Alluvialrinnen, die im
Niveau des Grundwasserspiegels liegen und oftmals einzelne Bruchwälder
aufweisen und auf der anderen Seite dagegen die höher gelegenen,
trockeneren, von den Rinnen umschlossenen Donkenplatten
beziehungsweise von Rinnen begrenzten Niederterrassenplatten. Gegen
1400 schließlich war das Wesen der agrarischen Kulturlandschaft, deren
Landschaftsbild bis 1800 im gesamten Gebiet und bis heute noch in den
rein agrarischen Teilen, zu denen auch bis vor kurzem die Dong
gehörte, vorherrschend war bzw. ist, im groben festgelegt.
Von daher hat sich auch die charakteristische Siedlungsform des
Donkenlandes, die der Einzelhöfe, die in aller Regel dem Verlauf der
Rinne und damit gleichzeitig dem Wechsel von feuchten Böden der
Niederungen und trockneren Böden der Donken folgen, nicht geändert.
Die Überlegung die dazu führte, den Standort der Höfe in die feuchten
Niederungen zu legen, waren einmal die, die natürlichen Gegebenheiten
des Raumes optimal auszunutzen, nämlich sowohl Viehwirtschaft als auch
Ackerbau betreiben zu können, zum anderen eine bequeme
Wasserversorgung zu garantieren und schließlich dem Hof eine gute
Schutzlage (Wassergräben umgaben den Hof) zukommen zu lassen. Höfe mit
dieser typischen Lage sind der Forsterhof, der VorsseIhof und vor
allem der Merbishof in der Dong.
Die letzte Stufe, in der sich die Dong also im Augenblick befindet,
wird mit der einsetzenden Industriealisierung erreicht. Hierbei nutzt
der Mensch zwar die natürlichen Gegebenheiten und Vorkommen wie zum
Beispiel die Bodenschätze aus, löst aber ansonsten die Naturfaktoren
als landschaftsprägende Instrumentarien ab. Die Industriealisierung
des Donkenlandes setzte in großem Maße mit der Überschreitung des
Rheines durch den Duisburger Steinkohlebergbau ein, der, als keine
neuen rechtsrheinischen Kohlefelder zur Verfügung standen, 1857 auf
die linksrheinischen übergriff. Gegen 1910 drang der Kohlebergbau dann
weiter in das Donkenland vor und ließ die sogenannten Industrieinseln
Kamp-Lintfort, Utfort, Rheinkamp und Neukirchen- Vluyn entstehen und
gleichzeitig die ehemals kleinen Kirchdörfer zu wirtschaftlich starken
Gemeinden bzw. Städten aufblühen. Das bis dahin von der Landwirtschaft
geprägte Donkenland bekam nun eine gemischte Wirtschaftsstruktur, mehr
noch, der Bergbau nahm selbst direkten Einfluss auf die Landwirtschaft
und zwar in Form von Besitzveränderungen, da er große Ländereien, die
über seinen Abbaugebieten lagen, aufkaufte und sie seitdem als
Pachthöfe mit Pachtland nutzt. So gehören beispielsweise große Teile
der Dong der Zeche Friedrich Heinrich, was neben den unterirdischen
Kies- und Sandschichten die Grundlage für die Ansiedlung der riesigen
Kiesbaggerei war, die den nachhaltigsten Eingriff in den
Naturhaushalt, die Zerstörung der Oberfläche, des Untergrundes, der
geologischen, der hydrologischen Verhältnisse und des ökologischen
Gleichgewichtes vornimmt.
Denn hier sah sich das Kiesunternehmen nicht gezwungen, mit vielen
einzelnen Besitzern über den Verkauf bzw. Pacht deren Ländereien
zwecks Auskiesung zu verhandeln, sondern einzig und allein musste die
Zeche gewonnen werden. Die guten geologischen Verhältnisse, der
Bauboom und der gesicherte Absatz von Sand für die geplanten und nun
im Bau befindlichen Autobahnen führten zu einer schnellen Einigung mit
dem Bergwerk, das sein Land billig verkaufte und im Gegenzug dafür die
Verfüllrechte mit Waschbergen nach der Auskiesung erhielt bzw. die
Verfüllung schon durch das Kiesunternehmen durchführen ließ. So fraßen
sich vor wenigen Jahren die Bulldozer und Bagger erstmals nördlich der
Geldernschen- und westlich der Dongstraße in die Dong hinein.
Wertvoller Ackerboden geht seitdem verloren, Pachthöfe müssen
verlassen werden, weil die Zeche den Pächtern kündigte, ja sogar
kleine, für die Dong typische Bruchwälder, die an und für sich zur
Landschaftsschutzzone gehören, fallen über Nacht und ohne Wissen der
Behörden den Bulldozern zum Opfer. Riesige Krater, die an eine
Mondlandschaft erinnern, entstehen ebenso wie große Kiesberge und
Sanddünen. Tag für Tag und auch Nacht für Nacht geht ein Stück
geographisch hochinteressanten und geschichtsträchtigen Gebietes
verloren und wird für immer zerstört.
Ausgekieste Flächen werden bis jetzt noch nicht wieder rekultiviert.
Die Aussichten der Dong für die Zukunft sind düster, wenn auch nicht
ganz ohne Hoffnung.
Denn einige Bewohner der Dong setzen sich für die Erhaltung der Dong
energisch ein. Sie kämpfen bei Ämtern, Behörden und in der
Öffentlichkeit für die Erhaltung des Naturraumes und versuchen der
Zerstörung Einhalt zu gebieten. Doch erfolgreich kann dieses Vorhaben
nur sein, wenn die Behörden und Regierungen sich ihres geforderten
Umweltbewusstseins selbst bewusst werden und die als
Landschaftsschutzzone erklärten Teile der Dong auch tatsächlich
schützen. Dann müssten die schon begonnenen Felder wohl noch
ausgekiest, darüber hinaus aber keine neuen Genehmigungen erteilt
werden. Wird man sich dessen aber nicht bewusst oder findet keinen Mut
dazu, dann hört in absehbarer Zeit die typische Dong als Donk und als
Naherholungsgebiet auf zu bestehen...
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