
I. Die Vorläufer Bethaniens
In der näheren Umgebung von Moers existierten bereits im 1.
Jahrhundert nach Christus Behandlungsstätten für Verletzte und Kranke.
Es waren die Veletudinarien der Römer in Vetera castra in Xanten, die
vorwiegend militärischen Zwecken dienten. Sie konnten im Notfall 400
bis 600 Patienten aufnehmen.
Während mit der Entfaltung des Heilig-Geist-Ordens im 12. Jahrhundert
in vielen mittelalterlichen Städten Hospitäler entstanden, in denen
Alte, Krüppel, Heimatlose und Pilger Aufnahme und Pflege fanden, ist
ein derartiges Heilig-Geist-Hospital in Moers nicht nachweisbar. Hier
war bis zu Beginn der Neuzeit die Pflege im häuslichen Bereich üblich
gewesen. Wohl hat es im 17. Jahrhundert, als auch hier die Pest wütete
und die Hälfte der Einwohnerschaft hinwegraffte, in Moers wie in
vielen Städten der näheren und weiteren Umgebung ein Pesthäuschen
gegeben. Es lag an der Rückfront des alten Friedhofes an der
Rheinberger Straße. Ob es in Moers im Mittelalter auch ein Leprahaus
gab, ist urkundlich nicht zu belegen. Vieles spricht dafür, dass eine
Leproserie, wie man damals auch sagte, am Westerbruchgraben nahe der
Römerstraße existierte. In den Kirchenbüchern der evangelischen
Kirchengemeinde stößt man im Zusammenhang mit Taufe, Ehe und Tod von
Leprakranken in Moers immer wieder auf diesen Namen Westerbruch.
Seit 1794, als die Franzosen Moers besetzten, findet man in den Akten
des Stadtarchivs Unterlagen über Lazarette in Moers, die in
Klassenräumen des Gymnasiums am Castell, im Schloss, sowie im
Kornboden vorübergehend eingerichtet waren.
Das erste richtige Krankenhaus entstand in Moers Mitte des 19.
Jahrhunderts. Es war die Privat-Anstalt für Gemütskranke in Moers, die
1842 durch Dr. Heinrich Wittfeld (1799 bis 1853) eröffnet wurde und in
der neben Geisteskranken auch andere Kranke behandelt wurden. Diese
Klinik ist wahrscheinlich die älteste Privatirrenanstalt der
Rheinprovinz gewesen. Sie lag auf einem Grundstück auf dem Castell
nahe dem Schloss und konnte bis zu 16 Kranke aufnehmen. Das jetzt noch
stehende "Weiße Haus", das von 1897 bis 1934 als Landratsdienstwohnung
fungierte, war das Wohnhaus Dr. Wittfelds.
II. Die Entstehung Bethaniens
Zur Wittfeldschen Anstalt für Gemütskranke besteht eine Verbindung,
denn Dr. Wittfeld regte zusammen mit dem Geheimen Kommerzienrat
Freiherr Friedrich von Diergardt (1795 bis 1869) die Gründung des
Krankenhauses Bethanien an. Auch war der letzte ärztliche Leiter der
Wittfeldschen Klinik, Dr. Eduard Beyer (1828 bis 1887), zugleich der
erste Krankenhausarzt in Bethanien.
Der äußere Anlass der Gründung Bethaniens war ein patriotischer. Zur
Feier der 150jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft zu Preußen hielt
sich König Friedrich Wilhelm IV. (1795 bis 1861) in Moers auf. "Zum
bleibenden Andenken an den hohen Besuch und an das einzigartige Fest"
wurde die Gründung Bethaniens beschlossen. Es sollte eine Stiftung
aller evangelischen Gemeinden der Grafschaft sein und den Kranken ohne
Unterschied der Konfession zum Nutzen sein. Der Name Bethanien wurde
vom großen Krankenhaus Bethanien in Berlin übernommen, einer Stiftung
des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Gleichzeitig sollte der
Name Bethanien erinnern an den Ort Bethanien bei Jerusalem. (Ort des
Lazarus und seiner Erweckung vom Tode.)
Durch Stiftungen und Spenden hatte man bis zum Baubeginn 10.186 Taler
zusammengebracht. 1855 erhielt Bethanien die Korporationsrechte durch
den preußischen König und konnte nun ein Grundstück erwerben. Die
Fertigstellung des eigentlichen Krankenhauses wartete man nicht ab.
Man mietete vorher auf drei Jahre Räume in Haus Tervoort, einem alten
Herrensitz etwas außerhalb der Stadt Moers. Dieses provisorische
Krankenhaus wurde im Juli 1856 eröffnet.
Das erste Bethanienkrankenhaus ist am Katasteramt der Kreisverwaltung
eingetragen auf der alten Flurkarte 3 Parzelle 1270/364-365-366-368.
Es lag am Ostring, etwa dort, wo jetzt das moderne Gebäude der
Kreissparkasse Moers steht. 1859 zog man von Haus Tervoort in dieses
neue Gebäude um. Bei den Stiftungsfeierlichkeiten am 25. März 1852
versprach der Gelderner Kreisbaumeister Carl Westermann, die Baupläne
kostenlos anzufertigen. Den Bau errichtet hat schließlich
Kreisbaumeister Carl Cuno (Xanten). Ob die Baumeister Bethaniens die
Baupläne des Krankenhauses Bethanien in Berlin studiert haben, ist
nicht bekannt. Nach den bestehenden Ähnlichkeiten zwischen beiden
Bauten, kann jedoch angenommen werden, dass das Bethanien in Berlin
beim Bau des Bethanien in Moers Pate gestanden hat.
Das äußerlich bescheiden wirkende Haus, ein nicht verputzter
Ziegelsteinbau hat mit der Kulisse des Gartens dahinter für die
damalige Zeit sicherlich recht repräsentativ ausgesehen. Seine
Schmuckformen, die noch besonders betonten Rundbögen an Tür und
Fenstern, die treppenartigen Verzierungen in den Giebeln, verleihen
ihm eine gewisse Feierlichkeit, ohne daß man von einer historischen
Bauweise sprechen könnte. Ähnlich dem Bethanien in Berlin ist die
Hauptfront des Gebäudes in beiden Etagen von Doppelarkadenfenstern
Überzogen. Der Mittelrisalit mit Eingangstür lag 0,75 m vorgezogen und
hatte eine Breite von 6,40 m. Hier befand sich im Bereich des
ausgebauten Dachgeschosses ein weiteres, jedoch kleineres
Doppelarkadenfenster. Die quadratischen Öffuungen mit
Waschbetoneinfassung unter den Fenstern dienten der Luftzufuhr in den
großen Krankensälen der ersten Etage.
Über
eine Steintreppe mit sechs Stufen gelangte man in das hochparterre
gelegene Erdgeschoss, und hier trat man zunächst in einen
unverhältnismäßig großen Flur. Rechts vorne im Erdgeschoss lag das
Empfangszimmer, dahinter das Wohnzimmer der Schwestern. Links vorne
befand sich ein großes Zimmer für Kranke erster Klasse, im Anschluss
daran das kleine Schwesternschlafzimmer. In Erdgeschoss und Keller
befand sich je ein Badezimmer mit zum Teil transportablen Badewannen.
Über das zum Hinterhof hin vorgezogene Treppenhaus gelangte man in das
Obergeschoss und hier in einen querverlaufenden Flur, von dem die drei
großen Krankensäle abgingen. In jedem dieser Säle konnten fünf bis
sechs Kranke untergebracht werden, die in Holzbetten lagen. Einer der
drei Krankensäle war als Frauenstation eingerichtet. Hier wurden im
Bedarfsfall auch kranke Kinder versorgt, eine eigene Kinderabteilung
existierte nicht. Auch im Obergeschoss befand sich ein Badezimmer, das
nach einem Revisionsbericht als "schön mit zwei Wannen eingerichtet"
beschrieben wird. Die Waschmöglichkeiten werden in einem Bericht
folgendermaßen beschrieben: "Waschapparate sind nicht vorhanden. Eine
Wasserleitung führt das Wasser in die Zimmer, woselbst Waschbecken
fehlen - auf dem Flur befinden sich Spülstein und Pumpe". Später heißt
es in diesem Bericht: "Die Krankenzimmer werden mit eisernen Öfen
erwärmt - in den Umfassungsmauern sind Abzugsröhren angebracht."
Beheizt wurden die Öfen mit Steinkohle. Als künstliche Lichtquelle
dienten zunächst Petroleum- und später Gaslampen.
Im Bereich des Treppenhauses hatte jedes Geschoss eine "Latrine", die
"zug- und geruchfrei" war. Wasserspülung gab es noch nicht. Wie im
Berliner Bethanien existierte kein Operationszimmer. Operative
Eingriffe wurden bis 1901 in einem der Krankensäle vorgenommen. Diesen
in der damaligen Zeit bereits ungewöhnlichen Mangel hatte man getreu
beim großen Bruder in Berlin imitiert.
Später wurde ein kleiner Raum am Ende des Flures im Obergeschoss
abgetrennt und als Operationszimmer benutzt. Im Kellergeschoss
befanden sich Kochküche, Waschküche, ein Desinfektionszimmer mit
Desinfektionsapparat (Chlorgas-Desinfektion), sowie Vorratsräume für
Naturalien und Brennmaterial. Die Pumpenanlage im Keller produzierte
"trübes, stark kalkhaltiges, zum Trinken sich nicht eignendes Wasser".
Ihr Licht und frische Luft erhielten die Kellerräume durch breite
Lichtschächte zur Vorder- und Rückfront des Gebäudes. Das mit der
Vorderfront nach Süden ausgerichtete Gebäude besaß ein geräumiges und
ausgebautes Dachgeschoss. Hier oben befanden sich mehrere kleine
Krankenzimmer, ein Zimmer mit vergittertem Fenster für vorübergehend
unterzubringende Geisteskranke, ein Isolierzimmer, Wärterzimmer sowie
eine sogenannte Leinwandstube. Nach einem Revisionsbericht von 1883
konnte Bethanien in den 14 Krankenräumen des Haupthauses für Kranke 35
bis 40 Betten aufstellen, drei Räume dienten zur Unterbringung von
Pensionären. In dem später erbauten Epidemienhaus konnten 20 bis 25
Kranke untergebracht werden.
III. Die Entwicklung Bethaniens von 1856 bis 1907
In dem provisorischen 1856 eröffneten Krankenhaus auf Haus Tervoort
wurden zunächst nur weibliche Kranke aufgenommen, ab dem 5. November
1856 auch männliche. 1857 wurden 33 Kranke versorgt. Die ärztliche
Leitung hatte Dr. med. Eduard Beyer. Den Pflegedienst leisteten zwei
Kaiserswerther Diakonissen. Dr. Beyer schildert in einem Jahresbericht
die Lage des Krankenhauses folgendermaßen: "Gerade in diesem ersten
Jahr des Bestehens traten die vielen Vorurteile gegen das
neugegründete Unternehmen, innerhalb einer Bevölkerung und in einer
Gegend, wo noch kein öffentliches Krankenhaus bestanden hatte,
hinderlich und störend dem Gedeihen desselben entgegen."
Nach
dem Umzug in das neuerbaute Krankenhaus am damaligen Ostring (1859)
änderte sich die Situation zunächst nicht. Bis 1860 werden jährlich
nicht mehr als 40 Kranke aufgenommen, wobei die Pflegedauer meist 100
Tage überschreitet. Es wurden wohl nur schwer chronisch Kranke und
Sieche versorgt. Der damalige Bürgermeister äußerte sich enttäuscht:
"Das Krankenhaus ist mehr in der Begeisterung des Festrausches
entstanden und nicht aus dem Bedürfnis der Bevölkerung. Die ärztliche
Leitung im neuerbauten Bethanien übernahm Dr. med. Gerhard Bullermann
(1823 bis 1911). Einen Vertrag zwischen ihm und der
Krankenhausverwaltung gab es nicht. Auf Wunsch konnten auch andere
Ärzte ihre Kranken in Bethanien selbst betreuen - Entsprechend der
geringen Belegung stand es auch schlecht um die Finanzen Bethaniens.
Mitschuldig an der Finanzmisere war der aus den Pfarrern der
umliegenden evangelischen Gemeinden und den zehn Deputierten aus
diesen Gemeinden bestehende Verwaltungsrat, in dem die
geschäftsführende Direktion nur beratende Funktion hatte. Ohne
Geschäftsführung beschloss also der Verwaltungsrat über alle wichtigen
Dinge. Bis 1901 (Änderung der Krankenhausstatuten) hat dieser
Verwaltungsrat der Entwicklung Bethaniens hemmend im Wege gestanden.
Alle Anstrengungen der Direktion zur Sanierung der Krankenhausfinanzen
wurden mehr oder weniger boykottiert. Mehrmals stand das Krankenhaus
vor dem Ruin: 1861 bereits wollte das Provincial-Schulkollegium für
13.000 Taler Bethanien erwerben. Eine Entschuldung wird versucht mit
der Ausgabe von "Abonnementen" für Dienstboten, Gesellen usw., was
gedacht war als eine Art Krankenversicherung im Falle der
Notwendigkeit einer Krankenhausaufnahme. Der Versuch, ein
Gnadengeschenk vom preußischen König zu bekommen, wurde abgelehnt.
Erst die Ausgabe von Aktien bringt einen Erfolg: 1867 übersteigen die
Einnahmen erstmals die Ausgaben um 82 Taler. In den 70er Jahren
versucht der Johanniterorden Bethanien zu übernehmen. Die
Verhandlungen _Abb.3_ scheitern an unklaren Besitzverhältnissen
Bethaniens, sowie an dem Missverhältnis zwischen Verwaltungsrat und
Direktion.
In den 70er Jahren wurde durch die Architekten Härtel und Quester aus
Krefeld im Garten Bethaniens ein Epidemienhaus errichtet: ein nicht
unterkellerter, eingeschossiger Ziegelsteinbau mit Giebeldach. Wie vom
Haupthaus existieren auch vom Epidemienhaus keine Bauzeichnungen mehr.
Es war auch keine Abbildung auffindbar. Nach einer Beschreibung in den
Archivakten lag es 50 Schritte hinter dem Krankenhaus im Garten, die
Vorderfront ebenfalls nach Süden ausgerichtet. An seiner Nordseite war
ein Leichenhaus angebaut. Im Innern lagen nach Osten zwei große
Krankensäle für je sechs bis zehn Kranke. Nach Westen lagen drei
kleinere Zimmer für je ein bis zwei Betten. Zwei weitere Zimmer
dienten als Küche und Bad und lagen zur Nordseite, nach Süden lagen
noch ein kleinerer Krankensaal und ein Wärterzimmer. Hier im
Epidemienhaus gab es bereits eiserne Bettgestelle, während im
Haupthaus noch hölzerne benutzt wurden. Nach Gebäudeeinmessungsplänen
am Katasteramt der Kreisverwaltung von 1874 war der Bau 17,50 m breit
und 16,50 m tief, wobei von der Tiefe für das Leichenhaus 3,90 m
abgingen.
Zum Glück für die Stadt Moers hat das Epidemienhaus jahrelang seinen
eigentlichen Zweck als Isolierhaus bei Auftreten von Seuchen nicht
erfüllen brauchen. Als auf Anordnung der Medizinalbehörden
Tuberkulosekranke nicht mehr mit anderen Kranken zusammenliegen
durften, wurde im Haupthaus der Krankensaal der Frauen geräumt und im
Epidemienhaus eine Frauenabteilung eingerichtet. Damit wurde
gleichzeitig die Anstellung einer dritten Diakonisse erforderlich.
1889 wurde als weitere bauliche Erweiterung ein gesondert im Garten
gelegenes Wirtschaftsgebäude mit Schweine- und Hühnerställen
errichtet. Aus den fast vollständig erhaltenen Revisionsberichten der
letzen 20 Jahre des 19. Jahrhunderts ergibt sich fast immer das
gleiche Bild: gute Beurteilung der Verhältnisse im Krankenhaus, was
Ordnung, Sauberkeit, Pflege und Verpflegung angeht. Die niedrige Zahl
der Belegung sticht weiterhin ins Auge. Zwar steigen die
Belegungszahlen in den 90er Jahren durch die Unfälle in den sich
entwickelnden Zechen. Gleichzeitig entstehen in diesen Jahren jedoch
im Kreis Moers neue Krankenhäuser, auf die sich jetzt Kranke und
Verletzte verteilen. Immer wieder moniert wird die Wasserversorgung:
nur der Brunnen am Epidemienhaus liefere einwandfreies Trinkwasser.
Bei den meisten Revisionen werden auch die nicht mehr zeitgemäßen
medizinisch-technischen Einrichtungen beanstandet.
Während Bethanien mit seinen ersten Ärzten, Dr. Beyer und Dr.
Bullermann, noch keine Verträge abgeschlossen hatte, existieren
Unterlagen über einen Vertrag zwischen Bethanien und Dr. med.
Friedrich Fabricius (1834 bis 1885), der am 23. Juni 1876
unterzeichnet wurde, Auch alle nachfolgenden Ärzte erhielten Verträge.
Nach einer statistischen Darstellung des Kreises Moers von 1863 betrug
damals der Verpflegungssatz in Bethanien je Person und Tag 10
Silbergroschen für private Kranke und 6 Silbergroschen für solche
Kranke, die von den Gemeinden versorgt werden mussten. 1865 zahlten
Bemittelte bereits 12 Silbergroschen. Verbandsmaterial und
Operationskosten sowie Getränke wurden gesondert berechnet. In den
90er Jahren mussten Erwachsene je Tag 1,50 Mark und Kinder 1,20 Mark
bezahlen. Einzelzimmer für private Kranke hatten einen Pflegesatz von
2,50 bis 3,50 Mark.
Infolge der Fortschritte in allen Bereichen der Medizin zeigte sich um
die Jahrhundertwende, dass das erste Bethanien in Moers den
Anforderungen in technischer, hygienischer und medizinischer Sicht
nicht mehr standhalten konnte. Der Gedanke an einen Ausbau des alten
Hauses wird wach. Vorher aber musste noch ein Missstand abgestellt
werden: neben dem unzureichenden Vermögensstande musste die
Schwerfälligkeit der Verwaltung abgeschafft werden. Die am 27.10.1855
von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen bewilligten ersten
Statuten Bethaniens werden am 4. November 1901 geändert und am 9.
Dezember 1901 durch den Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz
genehmigt. Der Verwaltungsrat bleibt auch in Zukunft bestehen, aber
der Schwerpunkt der Verwaltung liegt nun bei der Direktion, die jetzt
als Vorstand bezeichnet wird. Der Vorstand ist jetzt stimmberechtigtes
Mitglied des Verwaltungsrates. Der Vorsitz von Vorstand und
Verwaltungsrat liegt nun in einer Hand, der Verwaltungsrat wählt den
Vorstand und ist bereits beschlussfähig bei Anwesenheit von wenigstens
einem Drittel seiner Mitglieder.
Als Folge der weiteren Industrialisierung mit Anwachsen der
Bevölkerung und nicht mehr gehemmt durch einen insuffizienten
Verwaltungsrat begannen für Bethanien in den ersten Jahren des 20.
Jahrhunderts endlich bessere Zeiten. 1905 konnten insgesamt 444 Kranke
versorgt werden, mit einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von
25,3 Tagen je Patient. Am 6. August 1906 wurde der Grundstein zum
Neubau Bethaniens am Fünderich gelegt. Die Einweihung fand am 6.
November 1907 statt _Abb.3_ Das alte Bethanien wurde 1908 für 60.000
Mark an die evangelische Kirchengemeinde verkauft und diente danach
als Waisenhaus. Um 1935 wurden Haupthaus und Epidemienhaus
abgebrochen.
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